

Interview mit Lexy / Mai 2009
„Ich bin ein Forscher!“
Musikchamäleon Lexy kommt nach Koblenz – Funny Bunny Club im Palais
Die meisten kennen ihn eher von den gemeinsamen Auftritten mit K-Paul. Das DJ-Duo blickt auf inzwischen zehn Jahre Zusammenarbeit zurück. Die beiden lieben die extravagantere Art des Clubauftritts, provozieren gerne auf selbstironische Art – zum Beispiel in Strapsen oder ganz im rosa Tütü, und manövrieren sich mit Elan und Fortune auf den Gipfel der Club- und Phonoszene. Als Geheimtipp gelten Lexys bislang eher seltene Solo-Auftritte. Weil das so besonders ist und weil Lexy am 27. Juni, einem Samstag, im Club Palais mit den Funny Bunnies auflegen wird, haben wir uns mit dem musikalisch so wandlungsfähigen Künstler vorab unterhalten, neben beruflichen Dingen auch anderes Spannendes erfahren und einen wirklich humorvollen Menschen kennengelernt.
Lexy: Ich sach’s mal direkt vorab: Wenn ich solo auflege, will ich eigentlich gar keine Stücke aus der Arbeit mit K-Paul spielen – drumrum komm ich da aber nie; die Leute fragen immer danach und enttäuschen will ich ja auch niemanden. Wär das ‘ne Frage an mich gewesen?
Palais: Naja, schon. Aber eigentlich ging es uns auch mehr um Deine Musik, weil wir die ja an Deinem Samstag im Palais hören wollen; und natürlich um Deine Art, aufzutreten …
Lexy: Verstehe … (nickt und greift mit Daumen und Zeigefinger kurz an sein Kinn). Also meine Art aufzutreten – darin bin ich schon ein wenig Exhibitionist. Das liegt daran, dass ich mich selbst nicht unbedingt so wichtig nehme. Ich bin niemand, der sich besonders hochhält, sondern jemand, der sich lieber hochnimmt.
Palais: Gut gesprochen. Lexy solo hat also andere Musik in petto?
Lexy: In der Tat. Ich hab immer schon nach Neuem in der Musik gesucht. Ist nicht einfach, denn man könnte meinen, alle Sounds seien schon mal gespielt und alle Texte schon mal gesagt worden. Trotzdem geht’s, … (lächelt verschmitzt) … wenn man den DJ in Ruhe lässt.
Palais: … den DJ in Ruhe lässt?
Lexy: Ich will Neues entdecken. Und das ist immer möglich, … (grinst breit) … wenn man den DJ in Ruhe lässt.
Palais: Erklärung bitte …
Lexy: Also ich bin als Gast früher nie zum DJ und hab Plattenwünsche geäußert. Ich war immer gespannt drauf, was er als Nächstes macht. Ich bin auch heute immer bereit, mich total überraschen zu lassen. Also bitte nicht falsch versteh‘n: Ich reagiere gern auf Publikumswünsche; ich fänd’s halt nur toll, wenn die Erwartungshaltung – beispielsweise für bestimmte Hits – nicht immer so groß wäre. Ein DJ kann sich dann besser entfalten, cool bleiben, die Musik fließen und kreisen lassen, und sich den Abend entwickeln lassen.
Palais: Wenn man den DJ in Ruhe lässt!
Lexy: (überspitzt) Genau!
Palais: Was aber zeichnet in Deinen Ohren Deine Musik aus?
Lexy: Ich bin wie gesagt immer auf der Suche nach neuen Sounds, arbeite gern mit frischen Klangmustern und liebe es, mein Publikum ständig zu überraschen. Ich bin ein Forscher in Sachen „Musica“. Ich experimentiere mit verrückten Sounds und versuche, sie salonfähig zu machen – sorry: clubfähig, natürlich.
Palais: Von Anfang an, wie Du eben schon mal angedeutet hast?
Lexy: Irgendwie schon. Weißt Du, was ich früher mal werden wollte?
Palais: Wenn Du so fragst, sicher nicht Musiker, oder?
Lexy: Sicher nicht Musiker! Kosmonaut wollt ich werden (seufzt); wollten alle Jungs damals im Osten Deutschlands. Ich komm ja (blickt auf) aus dem Osten, falls Du’s nicht wusstest.
Palais: Gibt Schlimmeres – kleiner Scherz …
Lexy: (lacht auf) Echt? Als ich begonnen hab, ernsthaft über Berufe nachzudenken, wollte ich unbedingt Maler werden. (wird leicht verträumt und driftet ab) So einer wie Andy Warhol. So einer, der eine ganze Szene prägt. So ein richtig berühmter, na klar doch. Noch viel lieber wäre ich Trickzeichner geworden – mangels zeichnerischem Talent aussichtslos. Ich liebe Zeichentrickfilme. Kennst Du die Serie mit dem kleinen Maulwurf? Ich mag den kleinen Kerl. (kommt plötzlich gedanklich zurück) Ja – mit einem Mal hab ich mit einem kleinen Schallplattenladen angefangen und mich noch mehr in Musik vergraben als vorher schon. Bis dahin hatte ich gar nicht gecheckt, dass man selbst auch Musik machen kann. Weißt Du, ich hab damals nie verstanden, wenn sich DJs um bestimmte Platten gestritten haben, welche besser passt und welche nicht. Heute bin ich selber einer.
Palais: So geht das im Leben. Was steht denn in naher Zukunft so alles an?
Lexy: (aufgedreht) Hey, meine Lieblingsfrage! Mit K-Paul arbeite ich grade an einem Jubiläumsalbum zum Zehnjährigen. Es heißt „1000 Jahre Lexy & K-Paul“.
Palais: Lass mich raten: Mathe war demnach wohl auch nicht Deine Stärke?
Lexy: Wieso? Passt doch! Wir haben so viel gemeinsam produziert, da kommt’s doch wohl auf die zwei Nullen nicht mehr an …
Palais: Doppeldeutig. Und Lexy solo, wie demnächst im Palais in Koblenz?
Lexy: Mein erstes Solo-Album (freut sich diebisch) kommt im September raus. Mit Tour durch Deutschland und allem Drum und Dran. Jau!
Palais: War zu befürchten …
Lexy: (lacht) Schleich Dich …
Die Fragen stellte Marcus Dietz (und schlich sich …)
Fotos: Agentur (2), Attila Ramiani (1)